Die Mitte von Leonberg - die Mitte der Bevölkerung

Dr. Rotraut Weeber

Frau Dr. Rotraut Weeber von Weeber + Partner, Institut für Stadtplanung und Sozialforschung (Stuttgart/Berlin), beschäftigt sich in Ihrem Inputreferat mit verschiedenen soziologischen Faktoren der zukünftigen Stadt. Im Mittelpunkt ihrer Thesen setzt sie sich mit der Bevölkerungsmischung in städtebaulichen Quartieren auseinander.

Sie sieht gute Chancen, die Bevölkerung wieder ins Zentrum zu holen. Da in den historischen Innenstädten und den verkehrsbelasteten zentralen Stadtbereichen oftmals eine eher benachteiligte Bevölkerung lebt, werden besondere Entwicklungschancen in der gesellschaftlichen Mitte gesehen. Die Mitte-typische Bevölkerungsmischung ist "bunt, vielfältig oder international", wird jedoch hieraus Identifikationskraft ziehen. Die Mischung gilt dabei als sozialpolitisch akzeptiertes Leitbild einer auf Ausgleich und Integration bedachten Stadtgesellschaft.

Welches Publikum interessiert sich für das städtische Wohnen? Es sind Paare und Alleinstehende ohne Kinder, junge Erwachsene und auch ältere Menschen. Um Familien mit Kindern muss man sich besonders bemühen, wenngleich der Standort auch hierfür ein besonderes Potential aufweist. Dies gilt grundsätzlich auch für die Mischung der Generationen und Wohnformen. Eine aktuell hohe Kaufkraft weist die Generation 50plus auf, die eine hochwertige Nachfrage stärkt. Insgesamt steht die Feststellung: Der Mangel an städtischen Alternativen ist eine Marktlücke.


nach oben

Wohnen und Arbeiten in der Zukunft - Leben mit Wohlfühlfaktor

Susanne Köhler

Die Zukunft des Wohnens und Arbeitens steht im Mittelpunkt des Vortrags von Susanne Köhler, Zukunftsinstitut M. Horx, Kelkheim. Bis zum Jahr 2010 werde ein grundlegender Wandel hin zu individuellen Haushaltsformen ("patchwork society") erwartet. In einer "work-life-play"- Gesellschaft verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeiten und Leben. Die "creative industries" wachsen weiter und bilden sich zur Mainstream-Arbeitskultur aus. Entsprechend gewinnen neben "home" und "work" die sog. "third places & transit homes" an Bedeutung. Frau Köhler empfiehlt zur Stärkung dieser Leitkultur entsprechende Einrichtungen (z. B. "coffee office") mit einem angemessenen kreativen Umfeld.

Neue Impulse leiten sich auch aus den Wellness- und Fitnessgedanken ab. Mobilität und Flexibilität würden zukünftige Wohn- und Arbeitswelten prägen. Der LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability) beeinflusst massgebend das zukünftige Konsumverhalten.

 

nach oben

Lifestyle, Selbstverwirklichung und Freiheit

Andreas Neef

Die von Andreas Neef von Z_punkt - the foresight company, Essen/Berlin/Karlsruhe, fomulierten Thesen beziehen sich auf das Freizeitverhalten und den Lifestyle der Zukunft. Demnach bewegt sich die Freizeitgestaltung zukünftig im Spannungsfeld zwischen Funktionalisierung und Entschleunigung. Freizeit wird künftig kürzer, spontaner und intensiver wahrgenommen. Die zunehmende Abkehr von organisierter Freizeit verstärkt die "Snack-Kultur" durch Medien-Entertainment und Internet. Der Wunsch nach Entschleunigung und der Rückzug in die Wohlfühlatmosphäre der eigenen vier Wände stellt eine parallele Gegenbewegung dar.

Urbanität erlebt im 21. Jahrhundert eine Renaissance. Lebensqualität wird im städtischen Umfeld neu definiert. Die neuen Wohlfühlfaktoren heissen Nähe, Entlastung, Gesundheit und Genuss. Der öffentliche Raum in der Stadt wird an seiner Erlebnis- und Aneigungsqualität gemessen. Er muss eine Balance finden zwischen erlebnisorientierter Inszenierung und Gestaltungsoffenheit für die Bürger. Flächen und Räume für Bewegung und Sport werden zu zentralen Attraktoren
des innerstädtischen Lebens, um das herum sich das soziale und kommerzielle Leben entfaltet.

 

nach oben

Die Zukunft des Handels

Martin Kremming

Martin Kremming von der CIMA Stadtmarketing GmbH, Lübeck, beleuchtet den Einzelhandel. Ausgehend von sinkenden Ausgaben am privaten Konsum geht der Umsatz des Einzelhandels weiter zurück bei gleichzeitigem Wachstum der Flächenentwicklung. Als Gewinner werden die Discounter und Fachmärkte gegenüber den traditionellen Betriebsformen erwartet. Neben einer (milieuübergreifenden) Preisorientierung steht zunehmend auch ein starker Wunsch nach Service und Qualität. Der Preis verliert als Orientierungsmerkmal immer mehr an Bedeutung; Aspekte wie Convenience, Einkaufsverhalten, Einkaufserlebnis und Qualität werden immer wichtiger. In den Innenstädten entscheidet weiterhin primär die Lage über den Erfolg im Einzelhandel.

Die wachstumsstärksten E-Commerce Märkte liegen in den Bereichen Unterhaltungselektronik und Pauschalreisen. Der Online-Handel entwickelt sich zwar weiter, bleibt aber hinter den Prognosen der Vergangenheit zurück.

 

nach oben

Illusion kontra Realität - was verträgt der Immobilienmarkt?

Armin Dauner

Armin Dauner von der Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH, Ludwigsburg, beleuchtet den regionalen Immobilienmarkt und leitet grundsätzliche Chancen und Potentiale für das Wohnen in der Stadt ab. Solche Entwicklungen setzen allerdings aktive Planungsansätze voraus: Die Neugestaltung der Wohnquartiere muss ausdrücklich auch auf die Bedürfnisse junger Familien (geschützte halböffentliche Innenbereiche, gestufte Wohnungsgrössen, kostengünstiger Wohnungsbau etc.) bezug nehmen. Im Hinblick auf die alternde Bevölkerung müsse sich der Wohnungsbau darüber hinaus an der barrierearmen (nicht seniorengerechten) Gestaltung orientieren.

Der Mietwohnungsbau liegt am Boden, private Kapitalanleger sind als Investoren praktisch nicht mehr existent, eine Trendwende ist derzeit nicht erkennbar. Eine entscheidende Rolle werden Wohnungsunternehmen spielen, die auch im sozialverträglichen Mass Mietwohnungsbestände entstehen lassen. Entscheidend bleibt jedoch schwerpunktmässsig die Käuferschicht als Zielgruppe. Als Nische kommen neben den klassischen Wohnungsbauunternehmen auch alternative Organisationsformen (z. B. Baugemeinschaften mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen) in Betracht, wobei jedoch ein geeigneter Marktzugang und zeitlich ausreichende Vorbereitungszeit erforderlich ist. Hier kann die Stadt bereits im Vorfeld unterstützend tätig sein.

 

nach oben

Idealtypisch geplant - kann das gut gehen?

Prof. Dr. phil. Gerd de Bruyn

Prof. Dr. phil. Gerd de Bruyn vom Institut für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen, Universität Stuttgart, beleuchtet in seinem Impulsreferat die idealtypische Stadtplanung aus einer historischen Situation heraus. Aufgrund der heute verfügbaren positiven urbanen Bilder könne in der heutigen Zeit für eine klar umrissene Stadtplanung des Städtischen plädiert werden, auch weil die Kluft zwischen Planung und Nutzung in den vergangenen Jahrhunderten deutlich kleiner geworden ist.

 

 

 

 

 

 

nach oben

Urbanität als Zauberformel

Dr.-Ing. Eckart Rosenberger

Ein allgemeingültiges Rezept zur Schaffung von Urbanität im Städtebau gibt es nicht; Konzepte hierfür können nur aus der besonderen Situation des jeweiligen Ortes heraus entwickelt werden, so die Grundaussage von Dr.-Ing. Eckart Rosenberger. Die Leonberger Situation als Ausgangssbasis für den Stadtumbau gibt es sonst nirgendwo.

Urbane Qualitäten können dann erreicht werden, wenn es gelingt, eine bauliche, soziale und kulturelle Vielfalt mit zahlreichen unterschiedlichen Nutzungen, einer angemessenen baulichen Dichte und einem ausgeglichenen Nebeneinander von privaten und insbesondere öffentlichen Räumen in hoher Qualität zu schaffen.

Die erfolgreiche Umsetzung des Projekts über den zu erwartenden langen Realisierungszeitraum setzt neben Ausdauer und ständiger fachkompetenter Begleitung auch politische Kontinuität auf einem von der gesamten Bürgerschaft und allen Akteuren getragenen Fundament voraus. Ausserdem müsse das Konzept aus einem stabilen Grundgerüst bestehen, das für die Ausformung
von Teilkonzepten noch Spielraum lässt.

 

nach oben